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Einbaum - Detailinfos

Die Urform des prähistorischen Schiffbaus

Der Einbaum gilt als die Urform des prähistorischen Bootbaues. Älteste Funde finden sich in beinahe allen Erdteilen, und werden bis ins 6. Jahrtausend v.Chr. datiert. In der vorgeschichtlichen Felsbildkunst spielten Einbäume im Gegensatz zu den Schilf- oder Hautbooten nur eine geringe Rolle.


Einbäume sind gegenwärtig noch in vielen Regionen der Welt im Einsatz, weil sie selbst mit einfachen Steingeräten leicht herzustellen sind. In Nordamerika, Indonesien und Madagaskar sind sie sogar noch heute auf hoher See im Einsatz.

Das Bauprinzip

Wie archäologische Funde belegen, beherrschten Menschen bereits vor mindestens 8.000 Jahren die Kunst, einen Baum auszuhöhlen. Der Baumstamm wurde im Allgemeinen mit Hilfe von schwelendem Feuer ausgehöhlt und mit scharfen Werkzeugen nachbearbeitet.


Indianerkulturen zeigen noch heute die Tradition, dass man Einbäume nach dem Aushöhlen in ein offenes Grasfeuer brachte, um ihre Oberfläche durch Ankohlen zu konservieren. Um den Einbaum vor Rissen oder vorm Verziehen zu schützen, werden Querstreben eingebaut, die nach dem Brennen wieder entfernt werden.


Klassische Baumarten waren in Europa Eichen oder Kiefern. Nach der Größe der Bäume richteten sich auch die Ausmaße dieser Wasserfahrzeuge.

War die Piroge der Prototyp für die ersten Plankenschiffe?

Im Unterschied zum klassischen Einbaum werden bei der Piroge eine oder mehrere Planken aufgesetzt, die das Hereinschlagen der Wellen verhindern sollen. Quer zur Längsachse eingesetzte Krummholzspanten sorgen für die Stabilität der aufgesetzten Bretter. Diese wurden im Neolithikum mittels Steinwerkzeugen aus dem Stamm abgespalten. Diese Technik ist im Mittelmeerraum ab dem Ende des 4. Jts. v.Chr. bekannt. Aus der frühen Jomon-Periode (5500 - 3600 v. Chr.) stammt der Fund eines Einbaumes mit aufgenähten Seitenborden sowie 6 Paddeln bei Kamo. Das Boot war rund 6 Meter lang, fast einen Meter breit und hatte stumpfe Enden.


Das Plankenaufsetzen erhöht nicht nur den Freibord, sondern auch die Ladefähigkeit. In Polynesien wurden Auslegerpirogen zusätzlich mit tankähnlichen Konstruktionen aus Segeltuch oder Fellen abgedichtet, um auch bei starkem Seegang nicht den Auftrieb einzubüßen.

Die Einbäume der ABORA Projektgruppe

Zur Erforschung der Fahreigenschaften eines der ältesten Wasserfahrzeuge der Menschheit baute das angehende ABORA Team zwischen 1994 und 1995 am Humboldt Gymnasium Chemnitz zwei 5 m lange Einbäume. Der Bau der mit einfachen Holzwerkzeugen durchgeführt wurde, dauerte etwa zwei Monate.


Die ersten Versuchsfahrten erfolgten wieder auf dem Stausee Wangenheim. 1996 wurde einer der beiden Einbäume durch das Aufsetzen von Planken zur Piroge erweitert. Die ersten Testfahrten erfolgten auf dem Greifswalder Bodden. Die Tests sowohl mit den einfachen als auch erweiterten Einbäumen zeigen, dass diese Fahrzeuge bei ruhigen Wetterbedingungen seetauglich sind. Jedoch schützen die aufgesetzten Planken nicht unendlich vor dem Hereinschlagen der Wellen. Unsere Versuche mussten wir ab Windstärke 6 einstellen, da extrem kurze und etwa ein Meter hohe Wellen die Piroge binnen weniger Augenblicke vollschlugen.


Mittels Seitenschwerter segelten wir auch leicht gegen und quer zum Wind. Allerdings verhielten sich beide Fahrzeuge nicht so stabil am Wind, wie vergleichsweise die DILMUN Fahrzeuge. Als Ursache sehen wir die Mastposition, die vermutlich zu weit in der Mitte lag.


Als Fazit kann für beide Einbäume gelten: Sie sind nach fast 10 Jahren immer noch einsatzfähig, lassen sich relativ einfach bauen und auf Binnengewässern extrem taugliche Wasserfahrzeuge. Der Einsatz auf dem Meer ist stark wetterabhängig. Im Unterschied zu den praktisch unsinkbaren Schilfbooten sind die Einbäume nur bedingt hochseetüchtig.

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