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ABORA I – das erste Großprojekt auf historischem Meer

Eine Projektgruppe von Schülern des Gymnasiums "Am Breiten Teich" in Borna bei Leipzig beschäftigte sich zwischen 1996 bis 1999 mit der Erforschung der vor- und frühgeschichtlichen Seefahrt. Mit Hilfe der Experimentellen Archäologie sollten erstmals Daten über die Seitenschwertsegeltechnik auf dem Mittelmeer gesammelt werden. Für dieses Vorhaben stellte die Projektgruppe zwischen 1997 bis 1999 ein Schilfboot auf Sardinien her, das auf dem Mittelmeer erprobt worden ist. Für das Schilfboot wurde Chinaschilf im Winter 1997/98 auf einer renaturierten Braunkohlehalde geerntet und zu großen Rollen verschnürt. In den Sommerferien 1998 fertigten die Gymnasiasten und ehemaligen Schüler der Forschungs-AG den gewaltigen Schiffsrumpf. Doch erst im Frühjahr 1999 konnten die sächsischen Forscher das Schilfboot in der nordsardinischen Stadt Alghero fertig stellen. Nachdem die durch die schlechte finanzielle Lage entstandenen zahlreichen Schwierigkeiten überwunden waren, konnte die Expedition Ende Mai Segel setzen. Ihr Ziel waren die fernen Kanarischen Inseln. Im Praxisexperiment sollte herausgefunden werden, welchen Beitrag die frühgeschichtliche Seefahrt zur Herausbildung und Ausbreitung der frühen Kulturen geleistet hat.

ABORA I – Die Auswertung der ersten Schilfbootexpedition

Die Hauptaufgabe dieser Expedition bestand darin, mit Hilfe der Seitenschwertsegeltechnik dieses kiellose Schilfboot erstmals quer und gegen vorherrschende Winde zu steuern. Was vorher nur eine Annahme war, bestätigten die gesegelten Kurse. Bei günstigen 3-4 Windstärken und geringen Wellenhöhen ist es uns gelungen, mit der Abora I 90° quer zum Wind und auf kurzen Strecken unter Idealbedingungen sogar 80° am Wind zu segeln. Bei stärkerem Seegang war eine Seitabdrift von 20-30° unvermeidbar. Ab Windstärke 5 wurden Kurse zwischen 115-125° über Grund erreicht. Leider konnte die ABORA I noch nicht gegen den Wind kreuzen, weil der Mast zu mittig positioniert war. Das führte auch dazu, dass das Schilfboot auch ohne Nutzung der Bugseitenschwerter zu luvgierig wurde. Es konnten folglich nicht alle Schwerter am Bug eingesetzt werden, um die Seitabdrift wesentlich zu verringern und so das Schilfboot gegen den Wind zu steuern. Wir haben versucht, soweit wie möglich durch das zentrale Mittelmeer zu segeln. Die im Sommer typischen Wetterveränderungen und wechselnde Winde im westlichen Mittelmeer stellten eine besondere Herausforderung dar. Wir lagen mehrfach bei Flaute vor der Küste fest oder wurden von starken Winden gefangen gehalten. Nach der Rückkehr wurden unsere experimentellen Daten ausgewertet und den bisherigen Interpretationen alter Felsbilder und Modellen gegenübergestellt. Das Wissen und die Erfahrungen aus der Abora I-Expedition genügten, um den Raum für Spekulationen über die Segeltüchtigkeit vorgeschichtlicher Schilfboote erheblich einzuschränken. Vorgefasste Lehrmeinungen über die eingeschränkte Manövrierfähigkeit steinzeitlicher Schilfboote mussten nach unserer ersten Expedition korrigiert werden, weil die ABORA I auf jeden Fall 90° quer zum Wind segeln konnte. Sie lieferte das Fundament für die nachfolgenden Schilfbootexpeditionen ABORA II & III.

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