Thor Heyerdahl gilt als der Begründer der modernen Schiffsarchäologie. Seinen Expeditionen verdanken wir erste klare Vorstellungen von den maritimen Fähigkeiten der prähistorischen Kulturvölker. Heyerdahl wollte beweisen, dass schon in der Steinzeit ein enger Kulturaustausch über das Meer hinweg stattfand. Durch die bahnbrechenden Expeditionen mit der Kon-Tiki (1946/47), mit Ra I und II (1969/70) und mit der Tigris (1977/78) zeigte er, dass auch Ozeanüberquerungen über tausende Meilen keine unüberwindlichen Barrieren darstellten. Die Erfolge Heyerdahls konnten die Wissenschaftler jedoch nicht überzeugen. Sie kritisieren vor allem, dass seine Boote nur vor dem Wind und mit den Strömungen über die Meere gesegelt waren. Auch andere Experimentalarchäologen versuchten nie, gegen den Wind zum Ausgangsort einer Expedition zurückzukommen. Somit wurde die Ansicht der Kritiker bestärkt, dass in der Vorzeit kein regelmäßiger Fernhandel über das Meer betrieben wurde. Der deutsche Experimentalarchäologe Dominique Görlitz beschloss gegen diese irrige Lehrmeinung mit seiner Projektgruppe anzusegeln: Bereits 2002 konnte seine ABORA II auf dem anspruchsvollen Mittelmeer zum ersten Mal beweisen, dass steinzeitliche Rahsegler nicht nur bis 70° gegen den Wind kreuzen, sondern in einem geschlossenen Kreisbogen auch wieder zum Ausgangspunkt der Reise zurücksegeln konnten. Das bedeutet, Hin- und Rückfahrten über die Meere waren möglich! Diese Gegenwindsegelfähigkeit hat kein Wissenschaftler von einem urtümlichen Binsenfloß erwartet.